biene im flug text: fraugründet wee for bee

Die Welt (mit Bienen) ein bisschen besser machen …

we4bee gUG (haftungsbeschränkt) ist ein Würzburger Start-up, das sich einem sehr aktuellen Thema widmet: den Bienen. Die Idee ist, ein weltweites Netzwerk aus „Messstationen“ bestehend aus lebenden Bienenvölkern und Hightech aufzubauen, wir sprechen hier von Big Data, Machine Learning, Sensortechnik und … ja, eigentlich vom Schutz der Bienen und ihrem Nutzen weit über die Honigproduktion hinaus. Gefördert wird das Projekt von der Audi Stiftung für Umwelt.

we4bee-Projektziele

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Prof. Jürgen Tautz, Biologieprofessor em. und passionerter Bienenforscher. „we4bee ist sein Baby“, beschreibt es Dr. Claudia Leikam. Welche Rolle spielt sie dabei? Durchforstet man die Website, findet man sie nur im Impressum unter „Vertreten durch“ sowie „Verantwortlich für den Inhalt“ und ihre E-Mail-Adresse ist angegeben.

Wer ist Claudia Leikam?

Die formale Antwort ist einfach: Sie ist die Geschäftsführerin von we4bee. Klar und nüchtern kommt hinterher:

„Ich mache meinen Job; da brauche ich kein Bild von mir.“

Dr. Claudia Leikam
Sie macht ihren Job und wir haben trotzdem ein Bild von ihr: Claudia Leikam

Was bei dieser Antwort allerdings verloren geht, sind 22 Monate (!) der Arbeit noch vor der offiziellen Gründung im Dezember 2018. Sie war von Anfang an dabei, als noch nicht klar war, wie die hochgesteckten Ziele realisiert werden können, als noch die Gründung einer Stiftung im Raum stand, als noch kein Sponsor gefunden war … als ihre Arbeit noch nicht bezahlt wurde.

„Das ist sicher etwas, das Frauen öfter machen. Alle männlichen Kollegen, abgesehen von Prof. Tautz, der zu gut ist für die Welt, sind entweder im Zuge der Verhandlungen ausgestiegen oder wurden bezahlt.“

Dr. Claudia Leikam

Und diese Kollegen glaubten zum Teil nicht halb so sehr an das Projekt wie sie. Aber genau deswegen hat Claudia sich so engagiert und war von der ersten Stunde an als die Operative dabei. CEO wollte sie nicht sein, allein schon aus Haftungsgründen (Bienen stechen ja bekanntlich selten, aber es soll vorkommen – da könnte schon mal jemand zu juristischen Mitteln greifen).

#fraugründet gar nicht?

Im Prinzip schon, nur nicht auf dem Papier und nicht mit der persönlichen Haftung belastet. Claudia hat den kompletten Prozess von vvder Idee bis zum laufenden Projekt mitgemacht. Sie hat sich mit Christian Andersen vom ZDI Mainfranken getroffen und Informationen eingeholt, wie man we4bee am besten hochzieht und weit mehr als 40 Stunden in der Woche gearbeitet, Existenzängste erlebt, schlaflose Nächste verbracht.

Passion vor Reichtum

„Oberstes Ziel der we4bee-gUG ist es, den Erhalt der Honigbiene mithilfe der Wissensweitergabe an Kinder und Jugendliche zu sichern und damit einen essentiellen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.“ So ist es in der Projektbeschreibung zu lesen. Als promovierte Biomedizinerin war Claudia eigentlich in die Krebsforschung, um von dort aus etwas zu bewegen. Der Alltag und die allgemeinen Sitten und Gebräuche belehrten sie eines Besseren. Also ging sie in die freie Wirtschaft, wo sie u. a. in den Ausgründungen nach der Laborarbeit ihres Partners Toni Wagner mitarbeitete (ihn kennt ihr schon von unserem Bericht über vAudience). Sie weiß jetzt, dass ihre Arbeit einen Sinn haben muss, dass sie von den Projekten überzeugt sein muss und dass das Team stimmen muss – bei we4bee passt der Laden, Claudia ist glücklich.

Nachgefragt bei #fraugründet:

Siehst du eine Ungleichbehandlung als Frau im Vergleich mit Männern?

„Jeder Mann würde sich mehr bezahlen!“

Dr. Claudia Leikam

Das kommt wie aus der Pistole geschossen. Gleich fallen Claudia noch einige Beispiele aus dem Berufsalltag ein: Auf Bürosuche zum Beispiel, würden die Männer von den Maklern (generisches Maskulinum beabsichtigt, Anm. d. Red.) häufig als erstes wahrgenommen und begrüßt, bei anwesenden Frauen werde dann eine hierarchisch niedrigere Stellung vorausgesetzt. Claudia schüttelt den Kopf, wenn sie daran denkt, dass es bei den großen Firmen schon längst anders zugeht. Sie nennt Microsoft Deutschland als Beispiel: die Chefin ist eine Frau und viele Frauen leiten Unterabteilungen. Dies sei dem internationalen Firmenflair zuzuschreiben, vermutet sie.

„Auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben es Frauen in Führungspositionen schwerer.“

Dr. Claudia Leikam

Wärst du als Mann heute woanders?

„Vielleicht“, grübelt Claudia, „wenn ich im Forschungsbereich geblieben wäre oder mit der Thematik in die Wirtschaft gegangen wäre. Ich würde sicher besser verdienen.“ Doch sieht sie verschiedene Wege, um ans Ziel zu kommen; für sie sind ihre Persönlichkeit und ihre inneren Standards wichtig. Dabei hat sie auch beobachtet, wie Menschen mit weniger Persönlichkeit und Potenzial ‚weiter‘ gekommen sind … das waren allerdings nicht nur Männer.

Wirst du oft nach deiner familiären Situation gefragt und wie findest du das?

„Heiraten und Kinder – das ist die Standard-Frage; und sie nervt!“

Dr. Claudia Leikam

#fraugründet und wünscht sich …

„Ich wünsche mir, dass mehr Frauen den Mut haben, Ihre Kompetenzen als Gründerinnen einzusetzen, um Problemlösungen aus der weiblichen Perspektive zu propagieren und die Welt ein Stückchen kreativer zu machen.“

Dr. Claudia Leikam
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Rebecca Hümmer
Rebecca Hümmer betreibt seit 2015 die Agentur hümmer kommunikation in Würzburg. So kann sie sich selbst gut in alle Themen rund um das Gründen hineinfinden und darf regelmäßig hier auf Gründen@Würzburg bloggen.
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