Schlacht von Wikingern Schrift WÜ Accelerator Pitch Battle mit Blut

Würzburg Accelerator – Entscheidung in der virtuellen Pitch Battle

Fünf Monate Vorbereitungszeit, intensives Coaching und so viel Brainstorming, wie die kreative Hirnhälfte nur aushalten kann; und am Ende – oder eher – am Höhepunkt: Die Pitch-Battle!

Warm werden                                   

Beim Würzburg Accelerator Track im ZDI Mainfranken erwartet die Start-ups ein fünfmonatiges Programm, in dem sie von Coaches begleitet werden mit Methoden aus dem Design Thinking, aus dem Lean Start-up-Bereich, generell aus dem Projektmanagement. Das Mindset und die innere Haltung der Gründer soll geschult werden, erklärt Max Lehnert.

„Das Mindset spielt eine größere Rolle als die Idee“

Dazu bekommen die Start-ups ein Team an die Hand, in diesem Fall Studierende von Professor Hube vom Studiengang I2M. So kann die anfänglich vielleicht noch vage Idee in ein Geschäftsmodell verwandelt werden, das am Ende markttauglich ist.

Max Lehnert, Designthinking Coach und Moderator des Pitch Battles, kommt im Intro direkt auf den Punkt. Auch Professor Gerhard Hube kommt zu Wort und betont seine Leitlinie:

„Ready to act. Ready to take off.”

Klaus Walther sieht als Vertreter der Stadt in der Unterstützung der Start-ups eine Win-Win-Situation für die Gründer und die Region bzw. die Stadt Würzburg gleichermaßen.

Zu diesem Zeitpunkt befinden sich 58 Menschen im Online-Event, die mehrheitlich direkt an einem Warmup teilnehmen, das aus go – freeze – hands up besteht und auch am frühen Mittwochabend alle aufweckt.

Tatsächlich war es überraschend, was eine Online-Zusammenkunft für interaktive Möglichkeiten bereithalten kann. Wir gehen chronologisch vor, daher später mehr dazu.

Juroren und Jurorinnen

Kristina Krebs von Prognostica, Sua Hwang von der WVV, Pia-Theresa Franke von der Caritas, Clemens Launer von INDTact und Peter Kneip von Warema.

Sie bewertet nach drei Kriterien auf einer Punktescala von 1 (Minimum) bis 5 (Maximum):

  1. Das Team: Kompetenzen, Fähigkeit, ein Team aufzubauen
  2. Konzept: Wie schlüssig ist die Idee?
  3. Umsetzung: Wie vielversprechend ist das Konzept? Welche Erfolge gibt es bisher?

Folgende Preise erwarten die Sieger:

  1. Drei mietfreie Monate im Cube, drei Monate Intensivcoaching von Clemens Launer
  2. Ein Monat mietfrei im Cube und ein Stand auf der virtuellen Hausmesse von Prognostica progMEET w/friends
  3. Ein mietfreier Monat im Cube
  4. Sieger Publikumsvoting bekommt das Digital Innovative Playbook

Wer drückt aufs Gaspedal?

Bei Clever Back geht es um eine Lösung, die sich um das Wiedererlangen verlorener Gegenstände dreht. Eye-Able hat einen innovativen Ansatz für Barrierefreiheit im Internet für Sehbehinderte. Um die Barrierefreiheit im Umgang mit digitalen Endgeräten dreht es sich bei HandicApp.

Bevor es losgeht, wird die Reihenfolge virtuell ausgelost: Max lässt die Reihenfolge der Teams durch einen selbstgebauten Generator switchen und Maike aus dem Publikum entscheidet durch ihr „Stop“.

Die Spannung steigt und auch Max Lehnert lacht:

„Jetzt bin ich doch ein wenig aufgeregt.“

Clever Back

Gleich zu Anfang kommen Nicolas und Bernhard mit einer innovativen Idee für Online Meetings: Abstimmen durch Zuhalten der Kamera. Was war die Frage: Wer schon mal was verloren hat. Wenig überraschend ist, dass fast alle dunkel gemacht haben. Anscheinend entstehen in Deutschland jährlich 13 Milliarden Euro Schaden durch Verlust von Gegenständen.

Die Lösung von Clever Back: Ein Portal, die Finder*innen und Eigentümer*innen miteinander verbindet. Aufkleber auf Gegenständen zeigen an, dass man über das Clever Back-Portal Kontakt aufnehmen kann. Die Nutzung ist kostenlos, bis der Ernstfall eintritt, das ist auch der USP des Konzepts; ein Pay per Use-Geschäftsmodell. Laut Studien ist die Zahlungsbereitschaft im Falle des Verlustes vier Mal höher. In einem Jahr wollen sie 50.000 Aufkleber unters Volk gebracht haben und in fünf Jahren zur etablierten Marke für verlorene Gegenstände ich Deutschland geworden sein.

Eye-Able

Verschwommen. Vielleicht Google? Filmt der Speaker etwa seinen Bildschirm ab und die Kamera stellt sich unscharf? Oliver hat damit einen grandiosen Einblick in die Welt jener Menschen geschaffen, die eben nicht optimal einen Bildschirm sehen oder gar einen Computer bedienen können. Und genau darum geht’s: Barrierefreiheit für Sehgeschädigte – eine Gruppe, die wächst (keiner von uns wird jünger).
Mit Eye-Able kann die Barrierefreiheit, die ohnehin seit Herbst 2020 gesetzlich für öffentliche Websites verankert ist, outgesourct werden. Direkt auf der teilnehmenden Website kann man den Text so, wie er gebraucht wird, angleichen. Abos werden jährlich abgeschlossen und sind daher einfach skalierbar.

Eye-Able blickt bereits auf einen großen Erfolg zurück: Eine Crowdfunding-Kampagne, die mehr als 5000 Euro einbrachte. Auch Referenzen haben sie schon in petto. Ganz frisch einen Tag zuvor konnten sie sich einen Platz als nominiertes Team für ihr Geschäftsmodell beim Bay Startup-Wettbewerb Nordbayern sichern.

HandicApp

Durch bloßes Kopfdrehen oder Nicken ein Smartphone bedienen? Das wäre von Vorteil für alle Menschen mit Handicapp. Deswegen hat das Start-up HandicApp den Prototyp einer App entwickelt, für die es alleine in Würzburg ein Kernzielgruppe von 2000 bis 4000 Menschen gibt.

Auch HandicApp beschreibt ein Szenario, das sich die Zuhörer*innen kaum vorstellen können: Alle 12 Minuten halten wir laut Statistik unser Handy in der Hand, um zu kommunizieren, uns zu unterhalten etc. Für Menschen mit Handicap führt das leicht zur sozialen Isolation, zu enormer psychischer Belastung und zu Unterforderung. Mit der App wäre es außerdem möglich, Anrufe zu tätigen oder auf sich aufmerksam zu machen, wenn man einfach Hunger hat. Die App ist für Betroffene, Angehörige und Pflegeeinrichtungen einfach als Monatsabo downloadbar, auch fertige Tablets stehen zum Kauf bereit.

Janik und Tobias beschrieben den Markt als wachsend, z. B. durch den Mangel an Pflegekräften, der immer ausgeprägter sein wird. Als USP definieren sie die preisliche und technische Verfügbarkeit. So haben sie bereits den ersten Platz bei der Social Innovators Challenge der Uni Würzburg belegt und sind als innovativste soziale Idee Deutschlands im globalen Finale der Red Bull Basement Challenge angetreten.

Während aller drei Pitches war es für das Publikum möglich, im Chat Fragen zu stellen. Die Teams sahen diese meist selbst (wir sind ja mittlerweile alle Profis in Online-Meetings) und haben sie auch gleich beantwortet.

Wer entscheidet die Battle für sich?

Zur Punkteverteilung zieht sich die Jury nun zurück aufs Miro-Board. Das war übrigens für alle einsehbar und man konnte schon mal spitzen, wie die Cursor der Jury herumflogen und mit drag’n drop die Punkte auf virtuellen Post-ist verteilten.

Alle anderen (die wollten) gingen zum Netzwerken nach wonder.me, wo verschiedene Räume zum Treffen warten: drei mit dem Namen der Start-ups, dazu „Party“ etc.

 Dazu konnte das Publikum online voten und ebenfalls Punkte von 1 bis 5 verteilen; Clever Back wurde als Sieger gekürt.

Alle Möglichkeiten wurden auf der Page „Pausenraum“ übersichtlich und verlinkt dargestellt.

Endlich gab die Jury ihr Ergebnis preis: Eye Able kam auf Platz drei, Clever Back auf Platz zwei und HandicApp ging als Sieger hervor. Wie sie sagten, waren sie recht überrascht, da sie im Entwicklungsprozess noch nicht so weit sind wie die Konkurrenz.

HandicApp haben die Pitch Battle für sich entschieden.

Janik und Tobias, wie auch die anderen Start-ups empfahlen jedenfalls den Würzburg Accelerator Track allen Gründungswilligen weiter.  

Das innovative online Meeting-Konzept wurde schließlich abgerundet von einer Afterparty. Virtuell versteht sich.

Bewerbungsschluss für den nächsten Accelerator Track ist am 4. April. Hier geht’s zur Bewerbung.

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Rebecca Hümmer
Rebecca Hümmer betreibt seit 2015 die Agentur hümmer kommunikation in Würzburg. So kann sie sich selbst gut in alle Themen rund um das Gründen hineinfinden und darf regelmäßig hier auf Gründen@Würzburg bloggen.
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