15 Fragen an: Stylerella

1. Zuerst einmal: Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Stylerella, ein ortsbasierter Marktplatz für Modeboutiquen mit einer angeschlossenen sozialen Community. Dies bedeutet, dass Besitzer von lokalen Modegeschäften mit Hilfe unserer Plattform sehr unkompliziert, schnell und für wenig Geld ihr Angebot aus dem Laden im Internet sichtbar machen können. Wir bieten für 30€ im Monat ein eigenes Profil auf dem entweder ein digitales Schaufenster oder ein Onlineshop betrieben werden kann. Somit müssen sich die Ladenbesitzer nicht um technische Details, wie Sicherheit und Zahlungsanbindung kümmern. Für den Endkunden bieten wir die Möglichkeit, anhand des Standortes Mode aus den Boutiquen in der Umgebung zu entdecken. Jedem ist dann selbst überlassen, ob er die Ware im Geschäft kaufen möchte oder direkt online erwirbt. Zusätzlich können sich registrierte Nutzer in unserem Netzwerk Bilderalben, Blogs und Events anlegen und sich mit den anderen Mitgliedern und den Boutique-Besitzern direkt austauschen. Wir erhoffen uns damit eine enge Kundenbindung zu ermöglichen und Stylerella über soziale Kanäle schnell bekannt zu machen.

Das Team von Stylerella besteht aus drei Personen – Sascha Hartmann, Tobias Fries und David Hirschfeld. Alle sind neben Stylerella voll berufstätig: Während Sascha als SEO-Marketer arbeitet, sind Tobias (Marketing) und David (Unternehmensgründung) an Lehrstühlen der Universität Würzburg angestellt.

2. Wie seid Ihr auf die Idee für Euer Unternehmen gekommen?

Als meine Partnerin und ich (David) nach Würzburg gezogen sind, berichtete sie mir von einer Freundin, die zu jeder Zeit toll gekleidet sei und ihre Kleidung in den lokalen Boutiquen findet. Da meine Partnerin selbst aber nicht wusste, um welche Boutiquen es sich handelt, war sie gezwungen weiter bei den großen Ketten zu kaufen. Nach kurzer Recherche wurde uns bewusst, dass hier Handlungsbedarf besteht, da immer mehr kleine Läden in den Innenstädten schließen. Das hier verlorene Know-How und die schwindende Vielfalt an Mode sahen wir als Anlass eine Lösung für diese Herausforderung zu finden. Wir sehen uns als Partner für die inhabergeführten Modegeschäfte.

3. Wer hat Euch geholfen (Personen, Institutionen, etc.)?

Unsere Familien und Freunde haben uns natürlich mit Rat und Tat unterstützt, zusätzlich war es auch immer wieder überraschend wie viele Tipps wir auch von Boutique Besitzern erhalten haben, um unser Angebot kontinuierlich zu verbessern. Seit Kurzem sind wir eine Kooperation mit Einzelhandelsverband in Unterfranken eingegangen und besonders Volker Wedde hilft uns tatkräftig dabei, unser Konzept bekannt zu machen.

4. Welche Probleme/ Stolpersteine gab es im Rahmen der Gründung und wie habt Ihr diese gemeistert?

Im Team sind nur begrenzte Kapazitäten für die Entwicklung der Plattform vorhanden, so dass wir uns schnell nach einem externen Team auf Projektbasis umsahen. Die Suche nach und das Testen von geeigneten Entwicklern stellten sich als Herausforderung heraus, die wir aber meistern konnten. Heute arbeiten wir seit längerer Zeit mit zwei Teams zusammen, auf die wir uns verlassen können. Mit ihnen haben wir komplexe Projekte, wie die Anbindung unseres BaFin zertifizierten Zahlungsdienstleisters Heidelpay oder die mobile Shop-Administration, umgesetzt.

5. Welche Gesellschaftsform habt Ihr gewählt und warum?

Wir haben uns für die Unternehmergesellschaft (sog. „Mini-GmbH“) entschieden, da wir auf der einen Seite nicht das notwendige Kapital für die Gründung einer GmbH zur Verfügung hatten und auf der anderen Seite die rechtlichen Risiken gerade im Onlinehandel relativ groß sind. Eine persönliche Haftung in Form einer Personengesellschaft kam für uns daher nicht in Frage.

6. Wie habt Ihr die Gründung finanziert (Eigenkapital, Bank, Förderprogramm, etc)?

Der Großteil der Kosten haben wir entweder selbst oder über unsere Familien finanziert. Förderprogramme in Deutschland sind meist auf naturwissenschaftliche oder ingenieurstechnische Konzepte ausgelegt. Banken sind nicht bereit Kredite an UGs zu vergeben, da hier eine Sicherheit fehlt. Vom Einzelhandelsverband haben wir eine Investition erhalten, die es uns ermöglicht, Funktionen wie die mobile Shop-Administration und mobile Apps umzusetzen.

7. Was sagte damals Euer Lebenspartner/ Eure Familie zur Idee, ein Unternehmen zu gründen? Wie sehen sie das jetzt?

Zunächst waren sie eher skeptisch, sahen das Ganze als Spielerei an. Mittlerweile hat unsere Gründung einen festen Platz in unseren Leben eingenommen und das wird anerkannt. An manchen Tagen ist der Platz, den Stylerella einnimmt, für unsere Liebsten vielleicht auch ein wenig zu groß….

8. Was war Euer emotionalstes Erlebnis (positiv oder negativ) im Rahmen Gründung bzw. im Rahmen der Anfänge Eures Unternehmens?

Der erste Kontakt mit einem potentiellen Kunden. Unser Konzept wurde sehr gut aufgenommen und wir waren sehr glücklich darüber. Wir haben aber mittlerweile verstanden, dass ein erster positiver Kontakt nicht zwangsläufig zu einer zahlenden Kundschaft umzuwandeln ist. Der Einzelhandel möchte überzeugt werden.

9. Welche Chancen seht Ihr für Euch und Euer Unternehmen in der Zukunft?

Die fortschreitende Notwendigkeit online präsent zu sein, wird weiteren Handlungsdruck auf die Händler ausüben. Wir wollen dabei als Partner auf Augenhöhe auftreten und mit einem passenden Angebot mit Tat und Rat zur Seite stehen. Konkurrenten setzen vermehrt auf große Handelsketten zur Erreichung Ihrer Profitabilität, jedoch machen sie ihre Plattformen dafür unattraktiv für kleine Läden.

10. Was würdet Ihr anders machen, wenn Ihr noch einmal gründet würdet?

Ein weniger erklärungsbedürftiges Produkt auf den Markt bringen. Die Komplexität unseres Systems
macht es schwierig nachahmbar, jedoch ist auch der Aufwand, es dem Kunden zu erklären, relativ hoch.

11. Eine allgemeine Frage: Wie schätzt Ihr die Situation für Gründer in Deutschland derzeit ein? Habt Ihr eine Empfehlung, was man ändern könnte?

Grundsätzlich kann man in Deutschland gut gründen. Es gibt zwar gewisse bürokratische und rechtliche Hürden, die man nehmen muss, diese sind aber nicht umsonst installiert worden. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist eine gute Ausgangsbasis für Neugründungen. Jedoch ist aktuell zu wenig Risikokapital auf dem Markt vorhanden. In eine Idee investiert in Deutschland fast niemand, meist ist dies erst der Fall, wenn bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell vorzuweisen ist. Hier geht sicher auch einiges an Potential verloren.

12. Wenn Ihr Euch von der Politik etwas in Bezug auf Unternehmensgründungen wünschen dürftet – egal was – was wäre das?

Eine Aufweichung der Förderungspolitik aus dem starren Konzept, dass in Deutschland vor allem technische (am besten patentbasierte) Gründungen unterstützt werden. Gerade im Dienstleistungssektor und in der IT-Branche sind viele Ideen vorhanden, die gefördert werden sollten.

13. An welchem Ort kommen Euch die besten Ideen für Euer Unternehmen?

Zuhause am heimischen Rechner und während der Teamtreffen im Starthub in der Sanderstraße in Würzburg.

14. Welchen Rat gebt Ihr anderen Gründern?

Es gibt viele Angebote für Gründer, von Messen über Ratgebern bis Pitching Events. Man sollte den Aufwand dafür immer im Voraus evaluieren und überlegen, ob die Zeit dafür bereits gekommen ist. Wir haben Einiges zu früh unternommen und unnötig Zeit aufgewendet (Beispiel?). Ansonsten: Geduld und Durchhaltevermögen sind wichtige Eigenschaften, die man als Gründer mitbringen sollte.

15. Gibt es noch etwas, was Ihr schon immer in einem Interview sagen wolltet?

Schon immer vielleicht nicht, aber aktuell. Wir führen aktuell unter www.startnext.de/stylerella eine Crowdfunding Kampagne durch und freuen uns immer über Unterstützung dabei. Wir wollen das offline Modeangebot online verfügbar machen, damit dies klappt benötigen wir ausreichend finanzielle Mittel.

Vielen Dank für Eure Zeit!

 

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Carsten Lexa
Carsten Lexa ist Wirtschaftsanwalt mit Spezialisierung auf Gesellschaftsrecht und Vertragsgestaltung (auch in englischer Sprache), Europajurist, G20 Young Entrepreneurs´ Alliance Präsident Deutschland (www.g20yea.com) und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für den Großen Preis des Mittelstands.
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