15 Fragen an: die Brew Dudes

1. Zuerst einmal: Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind die Brew Dudes, 7 umtriebige Studenten aus dem Masterstudiengang Marken- und Medienmanagement, kurz M3ve, an der FHWS. Wir vertreiben unser eigenes Craft Beer, ein handwerklich hergestelltes und fruchtiges Pale Ale in Würzburg und Umgebung.

2. Wie seid Ihr auf die Idee für Euer Unternehmen gekommen?

Im Studium bekommt man vermehrt theoretischen Input und daraufhin wollten wir dieses theoretische Fachwissen einmal in einem eigenen Projekt praktisch umsetzen.

Glücklicherweise ist unser Studiengang schon sehr projektgetrieben, daher wussten wir grob, was uns erwarten würde. Dennoch konnten wir mit einem eigenen Projekt nochmal einen drauf setzen und richtig viel Herzblut investieren. Warum es gerade Bier wurde, wissen wir gar nicht mehr so genau, wahrscheinlich kam uns die Idee bei einem gemütlichen Abend, weil wir sieben Bier einfach sehr gerne mögen.

Ein paar der Brew Dudes waren im Vorfeld schon große Fans von Craft Beer. Weil die Biervielfalt in Würzburg als Weinstadt noch sehr überschaubar ist, in uns total viel Tatendrang steckt und wir alle große Lust hatten, mal was eigenes auf die Beine zu stellen, haben wir einfach losgelegt. Mittlerweile sind wir mit den Brew Dudes mitten im mainfränkischen Biermarkt angekommen.

3. Wer hat Euch geholfen (Personen, Institutionen, etc.)?

Zuerst einmal müssen wir betonen, dass wir den Markenaufbau mit dem erlernten Wissen aus Bachelor- und Masterstudium weitestgehend eigenständig absolviert haben.

Natürlich bekamen wir Unterstützung von FH-Seite, z.B. von den Marken- und Medienexperten Prof. Dr. Thilo Büsching und Prof. Dr. Karsten Kilian sowie weiteren Dozenten. Zudem haben wir die Vorlesungen und Studienprojekte beispielsweise dafür genutzt, ein eigenes Messe- und Eventkonzept sowie unsere Marketing- und Vertriebsstrategie zu konzipieren. Kommilitoninnen haben uns bei gestalterischen Aufgaben unterstützt.

Ein stetiger Begleiter ist zudem Max Mundus. Als Biersommelier hat er uns schon im Vorfeld bei der Wahl des Craft Beer Stils inspiriert und uns jede Menge Tipps gegeben. Heute stehen wir in seinem Craft Beer Store im Regal und tauschen uns regelmäßig aus.

Er hat uns auch den entscheidenden Brauereitipp gegeben. Mit Erik Löschner und Bastian Kiemer von der Alberthöfer Sternbräu haben wir zwei geniale Typen gefunden, mit denen wir uns super verstehen, die auch das Brau-Handwerk perfekt verstehen und von denen wir tatkräftige Unterstützung bekommen.

Im aufstrebenden Gründernetzwerk in Würzburg hilft man sich gegenseitig. Wir tauschen uns mit anderen Gründern über Herausforderungen und Chancen aus. Darüber hinaus bekommen wir wertvolle Tipps in Sachen Steuer- und Rechtsberatung aus verschiedenen Händen, wie z.B. IGZ, TGZ, Vogel Business Media, etc.

Zusammenfassend müssen wir sagen, dass wir sehr dankbar dafür sind, wie herzlich wir als junges Unternehmen in Würzburg aufgenommen wurden und dabei unterstützt werden, unser Ding zu machen.

4. Welche Probleme/ Stolpersteine gab es im Rahmen der Gründung und wie habt Ihr diese gemeistert?

Zuerst einmal mussten wir uns durch den Gründungsdschungel kämpfen. Welche Gesellschaftsform passt, was muss kaufmännisch, steuerlich, buchhalterisch und rechtlich alles bedacht werden? Die allgemeine Organisation von sieben extrovertierten Dudes war auch eine der großen Herausforderungen. Wir alle sprühen vor kreativen Ideen, jeder hat ein gewisses Spezialgebiet. Das musste man in Zuständigkeiten und klare Prozesse umwandeln, um das ganze Vorgehen strukturieren zu können.

5. Welche Gesellschaftsform habt Ihr gewählt und warum?

Wir haben uns für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, kurz die GbR, entschieden. So konnten wir relativ schnell, mit wenig bürokratischem Aufwand und vor allem mit geringen Gründungskosten starten. Als Kleinunternehmen sind wir aktuell zudem Umsatzsteuer befreit unterwegs, da unsere Umsatzprognose für das erste Geschäftsjahr deutlich unter den zulässigen 17.500€ liegt.

6. Wie habt Ihr die Gründung finanziert (Eigenkapital, Bank, Förderprogramm, etc)?

Jeder von uns musste natürlich eine finanzielle Einlage leisten, die sich aber im überschaubaren dreistelligen Bereich bewegt. Die Gründungskosten selber belaufen sich lediglich auf die Kosten der privaten Gewerbeanmeldung. Die GbR ist über unseren Gesellschaftervertrag geregelt.

Im Rahmen unserer Kleinstmengen haben wir natürlich aktuell in der Produktion weniger Kostenvorteile. Durch das Lohnbrauen bei der Albertshöfer Sternbräu haben wir allerdings auch kein hohes Kostenrisiko und halten unsere Ausgabenstruktur darüberhinaus möglichst schlank und effizient.

Wir zahlen uns im Moment auch noch kein Gehalt. Wir sind selber sehr glücklich darüber, dass wir 100% selbstbestimmt und mit einem sehr überschaubaren Kostenapparat arbeiten und uns verwirklichen können.

7. Was sagte damals Euer Lebenspartner/ Eure Familie zur Idee, ein Unternehmen zu gründen? Wie sehen sie das jetzt?

Unsere Familien und Freunde waren hellauf begeistert von der Idee. Sie haben uns in allen Belangen toll unterstützt und v.a. die Partnerinnen mussten oft mit zum Verkorken oder beim Etikettieren helfen.

Insgesamt stehen unsere Familien und Partnerinnen voll hinter uns. Ein paar unserer Elternteile sind selber seit vielen Jahren erfolgreich in der Selbstständigkeit und freuen sich natürlich über den engagierten Nachwuchs. Wenn man das Produkt in Form unseres Pale Ales dann noch gemeinsam verköstigen und dabei über das Unternehmen diskutieren kann, macht das natürlich allen Seiten doppelt Spaß!

8. Was war Euer emotionalstes Erlebnis (positiv oder negativ) im Rahmen Gründung bzw. im Rahmen der Anfänge Eures Unternehmens?

Extrem positiv war es natürlich, die erste abgefüllte Flasche in der Hand zu halten und der anschließende erste Schluck unseres Pale Ales. Gerade im handwerklichen Brauprozess von Craft Beer, wo Hingabe und Kreativität eine größere Rolle spielen als die sterile Kontrolle von Standards, die bei großen Industriebrauereien an der Tagesordnung sind, ist es auch einmal möglich, dass ein Sud nicht komplett gelingt. Umso besser hat uns aber das tolle Ergebnis von der Albertshöfer Sternbräu gefallen.

Bislang hatten wir noch kein prägendes Negativerlebnis. Es ist schön zu sehen, dass der Laden läuft, unser Bier schmeckt und die produzierte Menge fast immer sofort nach Abfüllung bereits verplant ist. Wir freuen uns über das viele positive Feedback!

9. Welche Chancen seht Ihr für Euch und Euer Unternehmen in der Zukunft?

Der Craft Beer Markt in Würzburg ist noch sehr jungfräulich, deswegen sehen wir sehr gute Chancen, unser Vertriebsnetzwerk in Würzburg und Unterfranken weiter auszubauen. Wir sind die erste Craft Beer Marke aus Würzburg und wollen unsere unternehmerische Tätigkeit auf die anderen fränkischen Großstädte ausweiten.

Für 2016 ist zudem ein Online-Shop geplant. Vielleicht schaffen wir es bald auch in die Auswahl angesagter Craft Beer Stores in weiteren deutschen Großstädten.

10. Was würdet Ihr anders machen, wenn Ihr noch einmal gründen würdet?

Nichts! Mit unserem Craft Beer Start-Up leben wir aktuell einen großen Traum. Wir haben riesigen Spaß daran!

11. Eine allgemeine Frage: Wie schätzt Ihr die Situation für Start-Ups in Deutschland derzeit ein? Habt Ihr eine Empfehlung, was man ändern könnte?

In Deutschland herrscht eine gute Gründerszene, die aber weiter unterstützt werden muss. Man sollte den Gründern die Angst und das Risiko nehmen. Durch kostenlose Workshops und mehr Förderprogramme ist den Gründern definitiv mehr geholfen. Für viele Gründer ist sicherlich der bürokratische Dschungel eine große Herausforderung.

Ein wenig mehr Transparenz und der Ansatz, Dinge verständlicher und einfacher zu gestalten, wäre von der öffentlichen Hand sicherlich sinnvoll. Aber auch der Austausch von Knowhow und Kompetenzen unter Gründern ist weiter zu fördern. Gerade die Start-Ups mit technischem Background sind auf eine mutige Investorenlandschaft angewiesen. Bei der Förderkultur ist also sicher noch Luft nach oben.

Insgesamt glauben wir aber, dass die deutsche Gründerszene seit einigen Jahren auf einem guten Weg ist und freuen uns auf alles, was kommt und sind sehr gerne ein lebendiger Teil davon.

12. Wenn Ihr Euch von der Politik etwas in Bezug auf Unternehmensgründungen wünschen dürftet – egal was – was wäre das?

Von der Politik und der öffentlichen Hand wünschen wir uns finanzielle Anreize für Unternehmensgründungen und kostengünstige Möglichkeiten für Büro-, Produktions- und Lagerflächen.

Wie bereits angedeutet, machen kostenlose Beratungen vom Gewerbe- und Finanzamt bezüglich der Gesellschaftsform sowie steuerlicher und rechtlicher Belange absolut Sinn. Man könnte das Ganze allerdings auch gleich transparenter, verständlicher und einfacher gestalten.

Wir würden uns freuen, wenn die Politik diese Maßnahmen weiterentwickeln würde, sehen gleichzeitig aber schon einen kleinen, stetigen Fortschritt.

13. An welchem Ort kommen Euch die besten Ideen für Euer Unternehmen?

Die besten Ideen kommen uns, wenn wir zusammen unterwegs sind und einfach kreativ drauf los denken. Meistens passiert das in der WG unserer Dudes Steffen und Dani. Hier sitzen wir im Wohnzimmer zusammen und brainstormen.

Wir nennen die WG nicht umsonst Casa Awesome – dort kommen uns die besten Ideen. Einiges passiert aber auch bei jedem Einzelnen unabhängig voneinander – auf einer Party, in der FH, beim Kochen oder auf dem Klo.

Wenn eine wilde Idee kommt, wird die sofort an alle Dudes über unser Projektmanagement-Tool „Trello“ weitergeleitet und beim nächsten Jour Fix thematisiert.

14. Welchen Rat gebt Ihr anderen Gründern?

Als junges Start-Up machen wir gerade selber unsere Erfahrungen und haben gar keine fachlichen Ratschläge. Ein paar Sachen haben wir dennoch schon gelernt: Niemals aufgeben, einfach weitermachen und dazu lernen, auch wenn es manchmal schwer ist.

Es wird am Ende immer alles gut!

Wichtige Voraussetzung: alles muss Spaß machen, um 100% motiviert dahinter zu stehen. Ein Start-Up zu gründen, nur weil es gerade einfach hip ist zu gründen, halten wir für nicht gerade sinnvoll!

15. Gibt es noch etwas, was Ihr schon immer in einem Interview sagen wolltet?

Hauptsache gut drauf – Prost!

Vielen Dank für Eure Zeit!

Nichts zu danken. Wir sagen Danke!

 

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Carsten Lexa
Carsten Lexa ist Wirtschaftsanwalt mit Spezialisierung auf Gesellschaftsrecht und Vertragsgestaltung (auch in englischer Sprache), Europajurist, G20 Young Entrepreneurs´ Alliance Präsident Deutschland (www.g20yea.com) und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für den Großen Preis des Mittelstands.
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